

Der etwas andere Unterricht an unserer E-Schule St. Fridolin
Das Unterrichten an unserer Schule für Erziehungshilfe stellt uns zunehmend vor die Herausforderung, dass wir es immer mehr mit Jugendlichen zu tun haben, die aufgrund ihres schwierigen biographischen den üblichen schulischen Rahmen sprengen. Dies zeigt sich beispielsweise durch massive Störungen, Leistungsverweigerung und Fernbleiben vom Unterricht. Für diese Jugendlichen ist damit der Erwerb des Förder- oder Hauptschulabschlusses in weite Ferne gerückt.
Schule ist für diese Jugendlichen oft eine sinnlose, weil perspektivlose, unfreiwillige Beschäftigung, bei der sie mehrmals täglich mit ihrem schulischen Versagen konfrontiert werden. Es ist naheliegend, dass eine ständige Überforderung zu Schulunlust, Schulverweigerung und zu massiven Unterrichtsstörungen führt: Ein Schüler, der nach sieben Schuljahren nicht gelernt hat richtig zu lesen, geschweige denn das Gelesene zu verstehen, der wird wenig Motivation zeigen, dies im achten Schuljahr zu erlernen.
Die permanenten schulische Misserfolge haben natürlich negative Konsequenzen auf das Selbstwertgefühl der Jugendlichen. Hier setzt die Idee unserer im März ins Leben gerufenen Werk-statt-Klasse an: Über das praktische Arbeiten, unter weitgehendem Verzicht auf herkömmliche schulische Inhalte, stärken wir die handwerklichen Fähigkeiten des Jugendlichen und helfen so, neue Ziele und Lebensperspektiven zu entwickeln. Die Schüler erleben konkret, dass ihre Arbeit Sinn macht und erleben Erfolg.

Selbstgebauter Polsterstuhl
Eines der wichtigsten Ziele ist es dabei, das Selbstwertgefühl des Jugendlichen zu stärken und ihm dabei zu helfen, eigene Stärken zu
erkennen, zu erweitern und zu nutzen.
Dass ein Schüler, der in der Regel nur schulischen Misserfolg kennt, stolz ist, wenn er dem
Lehrerkollegium seinen selbstgebauten Polsterstuhl vorstellt, kann sich jeder leicht vorstellen.
Neben dem Möbelbau übernehmen wir handwerkliche Tätigkeiten aller Art.
Beispielsweise wurde im Waldkindergarten von uns eine Regenrinne
betoniert und gepflastert, sowie der Bauwagen gestrichen. Im Wald haben wir neue Bäume gepflanzt, Waldwege von hineinwachsenden Ästen befreit,
sowie große Reisighaufen verbrannt. Wir haben Zäune repariert, Holz gespalten, in der Schule Lernboxen gebaut, einer Kollegin beim Umzug
geholfen und in einer Wohnung alte Tapete abgelöst. Neue Aufträge sind übrigens stets willkommen!
Schulische Inhalte werden im direktem Zusammenhang mit der zu bewältigenden Arbeit vermittelt: Bevor die Regenrinne betoniert wurde, musste
ausgerechnet werden, wie viel Beton, Betonkies u.s.w. benötigt werden. Fächer wie Deutsch und Mathe sind somit integriert.
Auch das Planen und Durchführen von betrieblichen Praktika ist ein wichtiger Bestandteil unseres Konzeptes: Ein Schüler, der bei uns wichtige Arbeitstugenden erlernt hat, kann im Betrieb überzeugen. Vielleicht kann ein tüchtiger Schüler in seiner Freizeit dort weiterhin jobben oder im günstigsten Fall einen Ausbildungsplatz in Aussicht gestellt bekommen. Vorausgesetzt der benötigte Schulabschluss wird erreicht.
Wenn es gelingt, dass die Jugendlichen Schule wieder mit etwas Positivem verbinden, wenn sie sich schulisch wieder
erfolgreich erleben, sich wieder etwas zutrauen und damit für sich wieder eine berufliche Lebensperspektive sehen, dann machen auch
schulische Ziele wie der Hauptschulabschluss wieder Sinn. Unsere Hoffnung ist, dass sich dann auch ein ehemals unbeschulbarer Schüler wieder
auf Schule einlassen kann. Wichtig ist uns dabei, dass wir Lehrer es nicht mehr sind, die den Jugendlichen seine Ziele vorschreiben, sondern
dass der Schüler sich seine schulischen Ziele selbst steckt und wir Lehrer ihn unterstützen, diese zu erreichen.
Ob dies gelingt, bleibt allerdings abzuwarten. Jedoch sind wir überzeugt, dass diese Beschulungsform ein weiterer, wichtiger Baustein unserer
Schule für Erziehungshilfe ist, der unseren Schülern eine neue Chance bietet und ihnen wieder Perspektiven aufzeigt.
Jürgen Haxel, Lehrer in der Werk-statt-Klasse
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